Geschichte
"Fockbek ist schon so alt, dass man eigentlich nur ehrfürchtig staunen kann", schrieb die Landeszeitung vor einiger Zeit über unseren Ort, der tatsächlich eine der ältesten Gründungen im nördlichen Eidergebiet ist. Der Ort wurde 1196 zum ersten Male als "Fokabikre" urkundlich (
Urkunde Knut IV.) erwähnt, in späteren Überlieferungen als Fockabiky, Vockebecke, Vokebeyk, Fockebeck, bis sich schließlich seit der Mitte des 18. Jh. die heutige Schreibweise durchzusetzen begann. Die Herleitung des Ortsnamens von einem ehemals gleichnamigen Bach erscheint ebenso möglich wie die Zusammensetzung aus einem Personennamen "Vocca" oder "Focke" und "Bek", der altsächsischen Bezeichnung für einen kleinen Wasserlauf.
Das ursprüngliche Fockbek, das durch den alten Heerweg (Ochsenweg), der aus seinem Lauf von Norden nach Süden auch durch das Dorf führte, sehr wichtig war, lag in einem Halbkreis am westlichen Ufer des Fockbeker Sees. Die ältesten Fockbeker haben nämlich um das Soll herum gewohnt, das heute trocken ist, damals aber noch unter Wasser stand und durch einen Graben mit dem See verbunden war. Die Namensgebung der Straßen lehnte sich an diese Wohn- und Bauweise an: 1. Reihe, 2. Reihe usw. Eine Dorfstraße führt heute noch den Namen „Große Reihe“. Die dort stehende Schmiede ist das Geburtshaus der bekanntesten Persönlichkeit, welche in Fockbek geboren wurde und hier auf der Schulbank saß: Ernst Voß (1842-1920), Mitbegründer der Hamburger Großwerft Blohm & Voß.
In ein helleres Licht der Überlieferung tritt Fockbek mit der Landesteilung im Jahre 1544, welche unter dem dänischen König Christian III. mit seinen Brüdern, Herzog Johann dem Älteren und Adolf I., Herzog von Gottorp, auf dem Schloß zu Rendsburg stattfand und beurkundet wurde. Im Zuge dieser Landesteilung ist Fockbek mit dem Amte Flensburg in Berührung gekommen, bis es durch einen königlichen Befehl vom 15. Oktober 1621 zum Amt Rendsburg gelegt worden sein soll. Die Verbindung wurde mit dem 1. April 1853 gelöst, und Fockbek kam mit den Dörfern Nübbel, Bargstedt, Lehmbeck, Alt- und Neubüdelsdorf zur Hohner Harde. Erst im Jahre 1878 – mit dem 1867 erfolgten Übergang der Herzogtümer Schleswig und Holstein an Preußen hatte für das Land ein neuer politischer Abschnitt begonnen – kehrte Fockbek zu seiner natürlichen Verbindung mit dem Amt und der Stadt Rendsburg zurück, nachdem der Kreis Rendsburg um die Hohner Harde erweitert worden war.
Aufgrund der 1888 in Kraft getretenen Kreisordnung bildeten die Gemeinden Nübbel und Fockbek bis zum Jahre 1948 den Amtsbezirk Fockbek. Zu diesem Zeitpunkt traten an die Stelle der früheren Amtsbezirke die heutigen Ämter. Das Amt Fockbek umfaßt seitdem die Gemeinden Fockbek, Nübbel, Alt Duvenstedt und Rickert.
Aus der Verbindung und Nachbarschaft des Dorfes zur Stadt Rendsburg entwickelte sich in früherer Zeit mancher Streitfall. 1694 stritten sich Nachbarn über das Torfgraben im Kirchenmoor. Nach einem Prozeß verzichtete das Dorf zugunsten Rendsburgs darauf. Ein anderer Konflikt entzündete sich zwischen Amtsvorstehern des Heiligen-Geist-Hospitals in Rendsburg und den Fockbekern um die Fischereigerechtsame auf dem See, der früher Armensee hieß und der Stadt Rendsburg gehörte. Auf diesen Streit um den 40 ha großen See gehen die Geschichte und die Gedichte vom Fockbeker Aal und den
"Aalversupern" zurück, die die Rendsburger erdacht haben sollen, um die Fockbeker als dumm hinzustellen. Diese Fockbeker Geschichte wurde in späterer Zeit oft erzählt und ist vielen Menschen weit über die Grenzen unserer Heimat hinaus bekannt. Das ist nicht zuletzt den vielen Fockbekern zu verdanken, die seit der Mitte des letzten Jahrhunderts unser Dorf verließen, um in anderen Ländern – häufig in den USA – ihr Glück zu finden. So erschien 1880 in einer New Yorker Zeitung ein plattdeutsches Gedicht "In Fockbek hebb’s denn Aal versapen".
All dies scheint heute ebenso vergessen wie Entwicklungen, die unser Dorf in späterer Zeit prägten und veränderten. Seit Beginn dieses Jahrhunderts gab es in fast allen Bereichen des dörflichen Lebens wichtige Fortschritte auf dem Weg in die "neue Zeit". Mit dem zwischen 1910 und 1912 erfolgten Bau der Eisenbahnlinie Rendsburg – Husum erhielt Fockbek den Anschluss an eine moderne Verkehrsverbindung. Elektrisches Licht kam in den 20er Jahren ins Dorf, in welchem nun auch neue und im Dienste des Gemeindewohls stehende Organisationen und Vereine gegründet wurden wie z. B. die Freiwillige Feuerwehr (1907), die Ortsgruppe des Deutschen Roten Kreuzes (1927) und der Spielverein von 1919. Diese Neuerungen fielen in eine Zeit, die durch den Ersten Weltkrieg und die nachfolgende wirtschaftliche und soziale Not gekennzeichnet war.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges stellte sich die vorrangige Aufgabe, weit über tausend Heimatvertriebene bei einem damaligen Bevölkerungsstand von ca. 3.000 Einwohnern im Ort unterzubringen. Aufgrund des starken Zuwachses an Flüchtlingen mußten erheblich mehr Schulanfänger eingeschult werden. Später, als sich die Verhältnisse wieder normalisierten, stand die Frage nach der Zukunft der Dorfschulen auf der Tagesordnung, die heute durch die Schaffung eines Schulzentrums – bestehend aus Grund-, Haupt- und Realschule – für die aus Fockbek, Nübbel und anderen Dörfern des westlichen Kreisgebietes kommenden Schüler gelöst ist.
Ein anderer Wandel betraf Fockbeks Erscheinungsbild als eine seit altersher durch die Landwirtschaft geprägte Gemeinde. Fockbek hat in den letzten Jahren eine erfolgreiche Entwicklung zu einer Gemeinde mit einem hohen gewerblichen Anteil durchlaufen. Diese Veränderung zu einer modernen Gemeinde mit neuen Wirtschaftszweigen ging Hand in Hand mit einem weiträumigen Ausbau der dörflichen Wohngebiete und einer infrastrukturellen Verbesserung des Ortes. Dennoch betrachten die Fockbeker ihren Ort nicht nur als Wohnbasis, sondern als Heimatgemeinde, in der es sich – wie das vielfältige Leben rund um den 1986 geschaffenen Dorfbrunnen zeigt – zu leben lohnt. Fockbeks verkehrsmäßig günstige Anbindung und seine landschaftlich hervorragende Lage am See unterstreichen diesen hohen Wohnwert.
Wer sich eingehender mit Fockbek und seiner Geschichte befassen möchte, findet reichhaltige Informationen in
- Erika Schwarzburg – "Alt Fockbek". Bild- und Textbuch. Herausgegeben vom Bürger- und Verschönerungsverein Fockbek. Fockbek 1981.
- Hans Schlothfeldt – "Die Chronik von Fockbek". Rendsburg 1962.
- Gustav Friedrich Meyer – "Amt Rendsburger Sagen" (der plattdeutsche Erzähler G. F. Meyer erzählt u. a. eine Reihe Sagen, die in Fockbek ihren Ursprung haben sollen).
- "Heimatbuch des Kreises Rendsburg" – Neudruck der 1922 in Rendsburg erschienenen Ausgabe, darin S. 833: Das Kirchspiel Rendsburg- Neuwerk (S. 845-848)
- Chronik von Fockbek - Neubearbeitung von Erika Schwarzenburg und Hans Ruge. Fockbek 1989.
Weiterführende Informationen:
Sage: Die Aalversuper
Urkunde 31. März 1196
Ernst Voß (1842-1920)
